Prof. Dr. Wolfgang Dahmen ist ein Mann mit außergewöhnlichen Talenten und Errungenschaften, die weit über die Mathematik hinausreichen. Als einer

der führenden Köpfe auf dem Gebiet der Approximationstheorie und der Numerischen Analyse hat er nicht nur die Wissenschaft geprägt, sondern auch im sportlichen Bereich Maßstäbe gesetzt.
In den 1970er-Jahren war Prof. Dahmen eine prägende Figur im Taekwondo, wo er mehrfach international erfolgreich war. Besonders bemerkenswert ist sein Vize-Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse bis 63 kg bei der Weltmeisterschaft 1975 in Seoul. Neben weiteren Erfolgen, wie dem Europacup-Gewinn und einem dritten Platz bei den Europameisterschaften, hat er sich auch als Trainer für die Nationalmannschaft engagiert.
Seine Leidenschaft für Taekwondo hat mich persönlich sehr inspiriert. Als junger Karateka war ich von Prof. Dahmens Können und seiner Einstellung so begeistert, dass ich den Schritt wagte, ins Taekwondo-Lager überzuwechseln – eine Entscheidung, die mein Leben nachhaltig beeinflusste.
Heute verbindet Prof. Dahmen seine Leidenschaft für Struktur und Präzision aus der Mathematik mit den Werten und Disziplinen, die ihn der Kampfsport gelehrt hat. Dieses Interview gibt Einblicke in seine beispiellose Karriere und seine Sicht darauf, wie Mathematik und Taekwondo einander ergänzen können.
Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Dahmen: Taekwondo-Sportler und Mathematik-Professor
Einleitung:
Wir freuen uns, in unserer neuen Interview-Serie außergewöhnliche Persönlichkeiten vorzustellen, die inspirierende Geschichten aus der Welt des Taekwondo mitbringen. Heute haben wir die Ehre, mit Prof. Dr. Wolfgang Dahmen zu sprechen, der nicht nur ein erfahrener Taekwondo-Sportler ist, sondern auch eine beeindruckende Karriere als Mathematik-Professor verfolgt hat. Seine Geschichte zeigt, wie Disziplin, Leidenschaft und Durchhaltevermögen aus dem Sport sich auf das Leben und die berufliche Laufbahn übertragen lassen.
Lies weiter, um mehr über Wolfgangs Erfahrungen, seine Motivation und die Verbindung zwischen Taekwondo und Mathematik zu erfahren.
Fragen und Antworten:
1. Wie bist Du ursprünglich zum Taekwondo gekommen, und was hat Dich daran besonders fasziniert?
Antwort WD: …die Gründe sind ganz profan. Ich sah halt extrem harmlos aus und wurde bei jeder Kirmes oder ähnlichen Anlässen angemacht. Da ich nie gut weglaufen konnte, nahm ich sofort die Gelegenheit wahr, am Training eines jungen Koreaners teilzunehmen, der just in die Kraisstadt Heinsberg gekommen war. Zunächst blieb ich noch parallel im Turnverein. Dann trat meine ursprüngliche Motivation schnell in den Hintergrund und ich begann mich auf die sportliche Seite von Taekwondo zu konzentrieren. Die Bundeswehrzeit habe ich mit Eigenbeschäftigung überbrückt und danach zum Training nach Essen gewechselt, wo derselbe Koreaner zwischenzeitlich eine Schule eröffnet hatte. Ich habe heute noch Kontakt zu ihm, da sich eine tiefe Freundschaft entwickelt hatte.
2. Gab es besondere Herausforderungen oder Wendepunkte in Deiner Taekwondo-Laufbahn?
Antwort WD: …es gab eigentlich 2 Wendepunkte. Zum 1.: Kurz nach der Bundeswehrzeit schickte mich der Trainer zur 2. Dan-Prüfung zentral in Frankfurt, von Kwon ausgerichtet. Eigentlich war ich nicht wirklich vorbereitet, weit weniger entwickelt als Armando Chavero, der auf mich wie ein Künstler wirkte. Ich musste halt mit ihm Sparring machen. Nachdem er mir vorher erzählt hatte, dass wir ja in erster Linie tollen Sport zeigen sollten, hat er mich komplett auseinander genommen und ziemlich vorgeführt. Ich bin auch prompt bei der Dan-Prüfung durchgefallen. Bis dahin, hatte ich ein generelles nicht besonderes ambitiöses Interesse an TKD, aber bei diesem Sparring wurde ich zum Wettkämpfer (das ist bei mir auch in anderen Bereichen so, dass solche Wandlungen sehr schnell und endgültig ablaufen, “Klickmomente” sozusagen). Die Einstellung zum Wettkampf war dann eine andere, Armando hat danach nie mehr gegen mich gewonnen, Bruchtest und Formen verloren an Bedeutung. Direkt auf den Kampfstil hatte es natürlich noch keine starke Auswirkung.
…Den 2. Wendepunkt brachte die Teilnahme an der 1. Weltmeisterschaft (1973 in Seoul). Nach dem ersten Länderkampf gegen die Türkei 1972 (noch unter Kwon) gehörte ich wohl zum Kreis der Kandidaten nach einer kurzfristigen Entscheidung des Verbandes daran teilzunehmen und der WTF beizutreten. Wir hatten dann einige wenige Vorbereitungslehrgänge unter der Leitung unterschiedlicher koreanischer Dan-Träger. Eine Schutzweste
habe ich insgesamt weniger als 15 Minuten getragen. Eigentlich war die Vorbereitung planlos (bis auf die Beiträge von Shin Boo Young, der auch die Mannschaft dann begleitet hat). Später in Korea wurde dann schlagartig klar, dass die Meister nicht wirklich Ahnung vom neuen Stil hatten. Der Ablauf hatte es in sich. Jeder hatte einen Eigenkostenanteil von 900 DM. Wir hatten einen sehr billigen Flug mit Afghan Airlines, der aufgrund zahlreicher Zwischenlandungen 36 Stunden dauerte. Da blieben anderthalb Tage Vorbereitung. Die erste WM war noch ein Mannschaftswettbewerb (plus 2 Einzel im Leicht- bzw. Schwergewicht). Für den ersten Durchgang hatten wir ein Freilos, der 2. ging gleich gegen Korea. Vorher konnten wir beobachten, wie die Koreaner die Mannschaft aus Hongkong – durchweg schnelle technisch gute Leute – komplett zerlegten. Da ging mir schlagartig dieses ganz andere Bewegungskonzept mit dynamischer Distanzkontrolle auf. Das war dann, der 2. Klickmoment. Ich fühlte mich gleichzeitig von den Würdenträgern, die die Vorbereitung gestaltet hatten, extrem verarscht. Nun habe ich Glück, dass ich Bewegungscharakteristiken durch Sehen verstehen kann. Von dem Tag an habe ich mich im Wesentlichen selbst trainiert. Shin hat das gefördert und der Freundschaft mit meinem ersten Trainer hat das keinerlei Abbruch getan.




Foto 1978 im BUNKYO Bonn mit Dr.med. Johannes Luley und Prof. Dr. Wolfgang Dahmen. Oben rechts: Dr. Thomas Fabula mit Prof. Dr. Wolfgang Dahmen. Obern Mitte: Prof. Dr. Wolfgang Dahmen mit Josef Wagner. Oben Lings: Wolfgang Damen als Coach bei einem Turnier.
3. Welche Werte oder Lektionen aus dem Taekwondo würdest Du jungen Sportlern oder Deinen Studierenden mit auf den Weg geben?
Antwort WD: …das ist ein weites Feld. Vielleicht sind für mich persönlich folgende Punkte wichtig. 1. Fairness ist für alle Beteiligten wesentlich. Selbst wenn eine Partei davon abweicht, war für meine Entschlossenheit, unter allen Umständen durchzuhalten, direkt mit dem Bewusstsein gekoppelt, selbst fair zu sein, das bezieht sich auf den Wettkampf wie auch auf Konflikte im normalen Leben. Beim ersten Kampf bei der 2. WM in Korea schlug mein Gegner gezielt mit der Faust zum Kopf, als er schon in der ersten Runde merkte, es würde sonst eng werden. Als ich am Boden die Augen öffnete, war der Kampfrichter bei 5. Die Regel war, bei einer WM scheidet man nicht durch Disqualifikation aus. Ich habs dann zurück auf die Beine geschafft und die erste Runde irgendwie überstanden, obwohl der Gegner es noch ein paar Mal mit derselben Methode versuchte (da wusste ich es halt). Er hat aber damit bei mir was ausgelöst, ihn mit fairen Mitteln in Runde 3 und 4 ziemlich deutlich zu schlagen.
2. Bei einer Sportart, die auch hohe technische Verfeinerung verlangt, braucht man einen sehr langen Atem und eine große Selbstdisziplin. Das kann man lernen bzw. entwickeln, und das ist etwas, was immer wieder zu Gute kommen kann.
3. Gerade Wettkampfsport ist ja die Akzeptanz von “Auseinandersetzungen” in direkter Konfrontation. Das fällt i.a. nicht so leicht. Die Entwicklung eines Gespürs dafür, wann man eine Auseinandersetzung nicht vermeiden sollte, und das dann durchzuziehen, ist meiner Meinung nach wichtig, um auch mit sich selbst im Reinen zu sein. Ich denke TKD hat mir dabei sehr geholfen. Da gab es in meinem Berufsleben unzählige Situationen, in denen ich das abgerufen habe, besonders an den Schnittstellen von Wissenschaft, Verwaltung und Politik. Es ist übrigens erstaunlich, wie schnell Akteure dabei einknicken ;-).
Das bringt mich auf einen generellen Punkt. In meinem Berufsleben habe ich auch für längere Zeit im Ausland gearbeitet, am längsten in den USA. Dabei gewinnt man natürlich Einblick in die “tragende Mentalität” von Gesellschaften. Mit Abstand ist die deutsche Gesellschaft am stärksten durch Angst, Feigheit und Drückebergerei geprägt, eine insgesamt traurige Erkenntnis…
In einem Wettkampfsport muss man sich zwangsläufig mit Ängsten auseinandersetzen, insbesondere mit Versagensangst. Das ein wenig zu lernen ist ungeheuer wichtig und ich würde das einem größeren Gesellschaftsanteil wünschen, auch zu verstehen, dass Reden nur etwas bringt, wenn die Konfliktpartei dieselben Werte teilt.
4. Was waren die Höhepunkt Deiner sportlichen Karriere, und wie haben sie Dein Leben geprägt?

Antwort WD: …ich würde sagen, der Länderkampf der deutschen Mannschaft in Essen ein paar Monate vor der 2. WM, wo ich halt als einziger von uns gewinnen konnte, dann die beiden WMs in Korea, wobei die 2. ertragreicher war. Für mich persönlich waren die Deutschen Meistertitel und die ersten Plätze bei offenen Europa Cups in Paris und Brüssel auch wichtig.
Meine letzte Teilnahme an der EM in Barcelona stand unter einem weniger guten Stern. Die Vorbereitung lief parallel zur Fertigstellung meiner Dissertation. Das war aber nicht der Punkt. Beim letzten Qualifikationslehrgang hab ich eine empfindliche Schienbeinverletzung davongetragen. Daraus hat sich eine Knochenhautentzündung entwickelt, die mich für 2 Wochen bis 2 Tage vor dem Abflug nach Barcelona ins Bett gebracht hat. Da die Gewichtsklasse doppelt besetzt war, konnte ich trotzdem mitfliegen, aber die Kräfte haben nicht ganz über den 3. Platz gereicht.
5. Wie hat sich Taekwondo im Laufe der Jahre aus Deiner Sicht verändert, und was sind Deine Hoffnungen für die Zukunft des Sports?
Antwort WD: …kurz: in eine meiner Meinung nach ungute Richtung. Wenn ich als junger Mann heute z.B. TKD Wettkämpfe bei Olympia sehen würde, würde ich diese Sportart wohl nicht wählen. Das ist sicher ein ganz persönlicher Standpunkt und geschmacksabhängig, aber ein so starker Verlust von Fokus und Realitätsbezug (auch aufgrund aufgeblasener Schutzkleidung) hat etwas vom Wesen des TKD verwässert, das ich mal kennengelernt habe. Ich bin ja jetzt wegen der Pflege meiner Frau wieder in Aachen. Bis zu meiner Rückkehr aus den USA bin ich regelmäßig in den USA mehrmals pro Woche in eine TKD-Schule gegangen. Den Meister habe ich vor mehr als 20 Jahren kennengelernt. Wenn ich längere Zeit an einem Ort im Ausland verbrachte, habe ich mir immer eine Schule ausgesucht. Ich bin dann erstmal hingegangen und im T-shirt gefragt, ob ich mal mittrainieren kann. Dann kam es irgendwann zum Sparring und danach schauten sie anders drein. Der Meister ist ein sehr guter Freund geworden. Er verlangt keinen formalen Tobok mehr von mir (den habe ich schon lange nicht mehr benutzt) und überlässt mir das Wettkampf-Training. Ich hab’s ein bisschen wieder zurückgedreht, aber die Strömung ist wohl unaufhaltsam…
6. Was hat Dich zur Mathematik geführt, und wie bist Du schließlich Professor geworden?
Antwort WD: …mir ist die Schule immer sehr leicht gefallen, so dass ich eigentlich durchweg gute Noten hatte. In der Oberstufe des Gymnasiums hatte ich zwei Interessenschwerpunkte, Mathematik und dialektische Aufsätze. Mein Vater hatte mir mit 16 das Buch die “Großen Mathematiker” von Bell geschenkt. Das hat mir leider so viel Respekt für dieses Fach eingeflößt, dass ich dachte, das ist zu hoch für mich. Also hab ich mich zuerst für Medizin registriert (um den Numerus Clausus nicht zu verschwenden, ein dummes Argument). Deshalb musste ich nicht gleich zur Bundeswehr. Als ich dann schließlich einsah, dass mich Medizin nicht wirklich fasziniert, habe ich den Platz wieder zurückgegeben und wurde dann mit einem Quartal Verspätung zur Bundeswehr eingezogen (Pazifist war ich halt nicht). Da damals die Studien nur im Herbstsemester starteten, schien dieser Schlenker ein Jahr zu kosten. Da hatte ich dann Zeit zum Nachdenken und bin schließlich zum Entschluss gekommen, ein “Gottesurteil” zu erfragen. Ich habe mir die Mitschriften eines früheren Klassenkameraden zum 1. Semester Mathematik geliehen und bei den entsprechenden Professoren gefragt, ob ich zu Beginn des 2. Semesters (Sommersemester) die Klausuren zum 1. Semester mitschreiben dürfte. Die haben mich mitleidig angelächelt aber zugestimmt (damals waren die Dinge noch einfacher in Bezug auf Regeln). Mein Deal war: wenn ich bestehe und ins 2. Semester einsteigen kann, studiere ich Mathematik, sonst kümmere ich mich um Plan B zu gegebener Zeit. Dann war ich doch im Mathematik-Studium. Von da an ging es ähnlich planlos – mal sehen wie es läuft, wahrscheinlich würde ich in der Industrie landen. Als Diplomarbeitsthema bekam ich die Aufgabe, eine “Vermutung” eines bekannten Mathematikers zu beweisen (eigentlich ein wenig hoch für eine Diplomarbeit). Ich hatte 6 Monate Zeit und nach 5 Monaten war ich dem Ziel nicht näher gekommen. Wenn ich meinen Betreuer fragte, ob die Vermutung vielleicht falsch war, sagte er stets, „solche Leute irren sich nicht“. Nun, als es dann zeitlich sehr eng wurde, habe ich auf neudeutsch gesagt “fuck you” und versucht zu beweisen, dass die Vermutung nicht richtig ist. Das hat funktioniert, mir die erste wissenschaftliche Publikation eingeräumt und das Diplom nach 7 Semestern. Dabei ist mir was Konstruktives eingefallen, woraus sich ein Doktorthema ergab. Ich hatte ursprünglich nicht geplant, zu promovieren, das taten damals rund 5 % in diesem Fach, aber das drängte sich förmlich auf. Nach 9 Monaten dachte ich, eine Thesis zusammen zu haben und fragte den Betreuer, ob das für die Promotion reiche. Er fragte mich, ob ich verrückt sei, an diesem Lehrstuhl müsste man sich mindestens 2 Jahre abmühen und mindestens 2 Publikationen mit einem älteren Lehrstuhlmitglied (dem Betreuer) zustande gebracht haben. Da hab ich mein Zeug eingepackt, die 2 Pflichtpublikationen gemacht und nach 2 Jahren die Arbeit eingereicht, mit dem Entschluss, den Lehrstuhl des Betreuers umgehend zu verlassen. Ich habe dann promoviert, den Chef des Lehrstuhls aber aufs Äußerste erzürnt, als ich ihm eröffnete, ich würde seine Gruppe verlassen. Ich hab dann ein neues Forschungsgebiet gesucht und ein Angebot der Uni Bonn auf eine Assistentenstelle angenommen. Da hab ich Glück gehabt und ein umkämpftes Problem gelöst, woraufhin ich ein Forschungsstipendium im IBM Forschungszentrum Yorktown Heights (New York) gewonnen habe. Da bin ich dann reingestolpert und dort wissenschaftlich explodiert. Als ich nach Bonn zurückkam, eröffnete sich die Möglichkeit der Habilitation, so dass mein Plan B – Industrie – wieder aufgeschoben wurde. Bevor die Habilitation abgeschlossen war, haben mich 2 Unis ermuntert, mich auf eine Professur zu bewerben, was ich dann auch gemacht habe. Bielefeld hat eine exzellente Mathematik (wie Bonn), so dass ich da hin gegangen bin – und dort ein kontinuierliches Training mit Yilmaz aufnehmen konnte, der mich vorher bei Lehrgängen getroffen hatte und mich und Thomas auch mal in Bonn besucht hatte. Und plötzlich war ich dann Professor (1981).
7. Wie kombinierst Du Deine Leidenschaft für Mathematik und Taekwondo im Alltag?
Antwort WD: …während des Studiums und auch später gehörte ein tägliches Training zum Tag wie das Frühstück. Wo immer ich auch war, übernahm ich einen Kursus in einer Sportschule, so dass ich über die Woche Zugang zu Trainingsmöglichkeiten mit Partnern hatte, die speziell am Wettkampftraining interessiert waren. Das war ziemlich effektiv. In Aachen z. B. kam Hubert Leuchter regelmäßig und in Bonn hab ich Thomas und Asiz kennengelernt. Ich war da ziemlich stur. Z. Beispiel bei einer Deutschen Meisterschaft in Augsburg lagen mündliche Diplomprüfungen in der anschließenden Woche. Ich saß dann mit den Unterlagen hinten im Auto und betrieb Vorbereitung.
8. Gibt es Parallelen zwischen der Disziplin im Taekwondo und Deiner Arbeit in der Mathematik?
Antwort WD: schwer zu sagen. Ich glaube in beiden Bereichen ist es wichtig Grundmechanismen zu verstehen und rational umzusetzen.
9. Was waren die Höhepunkte Deiner akademischen Karriere, und wie haben sie Dein Leben geprägt?

Die Höhepunkte meiner akademischen Karriere lagen auf unterschiedlichen Ebenen.
Da gab es einerseits Probleme, an denen ich sehr lange gearbeitet habe und dann löst ein Durchbruch was Unheimliches aus. Das kann man aber hier nicht wirklich beschreiben. Natürlich war der Leibniz Preis 2002 (höchste Deutsche Wissenschaftsauszeichnung) ein Höhepunkt ebenso wie die Aufnahme in die Leopoldina – Nationale Deutsche Akademie der Wissenschaften, oder die Auswahl als SIAM Fellow (2019) oder AMS Fellow (2024) Höhepunkte (da gab’s noch andere Preise).
SIAM = Society for Applied and Industrial Mathematics, AMS = American Mathematical Society.
Trotz meiner derzeitigen privaten Einschränkungen ermöglicht dies nicht zuletzt, dass ich derzeit immer noch in einem Forschungsprojekt mit der RWTH und in mehreren Projekten an meiner Uni in den USA arbeiten kann.
10. Wie hat sich Dein Lebensweg durch die Kombination von Sport und Wissenschaft verändert?
Antwort WD: …puh, das ist sehr komplex. Allgemein hat mich der Sport wohl resilienter gemacht und auch die Bereitschaft erhöht, sinnvolle Risiken einzugehen. Die Forschung in der Wissenschaft ist auch immer eine Art Wettkampf (wer zuerst die besten neuen Ergebnisse vorweist, die ja auch in high-tech Bereiche eingehen). Das verlangt letztlich auch eine gewisse Mentalität bei aller Verschiedenheit der Tätigkeitsfelder.
11. Was motiviert Dich weiterhin, in beiden Bereichen aktiv zu bleiben?
Antwort WD: …Mathematik ist, was ich gerne (aus natürlichem Antrieb) mache, das ist nicht lokal gebunden, es erhält die Fähigkeit, mein Leben und sein aktiv zu gestalten. Den Sport betreibe ich weiter, weil ich die Vorteile erkannt habe, in einem funktionellen Körper zu leben, was viel Freiheiten eröffnet. Außerdem muss ich meinen Kreislauf in Form halten, da zu aktiven Zeiten mein Ruhepuls bei 35 lag. Wenn ich wieder die Möglichkeit bekomme, in eine Schule zu gehen, werde ich das sicher tun.
Abschluss:
Wir danken Wolfgang herzlich für seine Zeit und seine offenen Antworten. Seine Geschichte zeigt, wie der Weg zu persönlichem und beruflichem Erfolg durch eine gelungene Balance aus körperlicher und geistiger Aktivität gestaltet werden kann.
Wenn Du mehr über Wolfgang und unsere Interview-Serie erfahren möchtest, bleib dran und folge unserem Blog für weitere spannende Interviews
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