Von Bonn nach Bad Kreuznach – Eine Begegnung mit einem alten Weggefährten

Von Bonn nach Bad Kreuznach – Eine Begegnung mit einem alten Weggefährten Als ich kürzlich den Bericht über Udo Reichmann sah, kamen viele Erinnerungen zurück. Für viele Zuschauer ist er heute der Tai-Chi-Lehrer aus Bad Kreuznach, der mit 74 Jahren erstaunlich fit und vital wirkt. Für mich ist er jedoch vor allem ein alter Trainingskamerad…


Von Bonn nach Bad Kreuznach – Eine Begegnung mit einem alten Weggefährten

Als ich kürzlich den Bericht über Udo Reichmann sah, kamen viele Erinnerungen zurück. Für viele Zuschauer ist er heute der Tai-Chi-Lehrer aus Bad Kreuznach, der mit 74 Jahren erstaunlich fit und vital wirkt. Für mich ist er jedoch vor allem ein alter Trainingskamerad und Weggefährte aus einer Zeit, die mein eigenes Verständnis von Kampfkunst nachhaltig geprägt hat.

Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren trainierten wir gemeinsam in Bonn. Wir gehörten dem Landeskader Rheinland-Pfalz an und verbrachten unzählige Stunden in der Halle. Damals standen weniger Gesundheit und Entspannung im Mittelpunkt als vielmehr Leistung, Wettkampf und die Bereitschaft, an die eigenen Grenzen zu gehen.

Dies Bilder entstanden in Vorbereitung für Udo´s Examensarbeit in den 1980gern.

Gemeinsam trainierten wir Karate und Taekwondo und stellten uns dem berüchtigten olympischen Training von Prof. Dr. Wolfgang Dahmen. Seine Schule brachte zahlreiche erfolgreiche Wettkämpfer hervor. Das Training war hart, kompromisslos und verlangte Disziplin, Ausdauer und mentale Stärke. Wer dort bestehen wollte, musste bereit sein, immer wieder über seine Grenzen hinauszugehen.

Udo gehörte zu denjenigen, die diese Herausforderung angenommen haben. Wie viele von uns entwickelte er sich im Laufe der Jahre weiter. Während früher Schnelligkeit, Kraft und Wettkampferfolge im Vordergrund standen, rückten später andere Aspekte der Kampfkunst in den Fokus. Die Suche nach innerer Ruhe, Körperbewusstsein und Harmonie führte ihn schließlich zu den sogenannten inneren Kampfkünsten wie Tai Chi.

Gerade darin zeigt sich für mich die besondere Schönheit eines lebenslangen Kampfkunstweges. Die Prinzipien bleiben dieselben: Konzentration, Disziplin, Respekt und die Bereitschaft, ständig an sich zu arbeiten. Was sich verändert, ist die Form. Aus dem jungen Kämpfer wird ein Lehrer. Aus dem Wettkampf wird persönliche Entwicklung. Aus äußerer Stärke wird innere Stärke.

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SWR Beitrag vom 24.6.2026, 16:53 Uhr

Wenn ich heute auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicke, erinnere ich mich an schweißtreibende Trainingseinheiten, intensive Lehrgänge und den besonderen Zusammenhalt unter den Sportlern jener Jahre. Viele von uns gingen später unterschiedliche Wege. Einige blieben dem Wettkampf verbunden, andere wurden Trainer oder Funktionäre. Udo fand seinen Weg im Tai Chi.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft seiner Geschichte: Kampfkunst endet nicht mit dem letzten Turnier oder dem Ende der aktiven Wettkampfkarriere. Sie kann ein Begleiter für das ganze Leben sein. Wer ihr über Jahrzehnte treu bleibt, entdeckt immer neue Facetten – von der Dynamik der Jugend bis zur Gelassenheit des Alters.

Es freut mich daher besonders, dass Udo auch heute noch Menschen für diesen Weg begeistert. Sein Beispiel zeigt, dass Kampfkunst weit mehr ist als Technik und Wettkampf. Sie ist eine Lebensschule, deren Lektionen weit über die Trainingshalle hinausreichen.

Text: Jürgen Knees
Bilder: Udo Reichmann und Jürgen Clemens


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